23.1.11

Genius.

Ulme
Ich kenne den Grund, sagt sie. Ich kenne ihn durch meine große Pfahlwurzel.
Du fürchtest ihn.
Ich fürchte ihn nicht: weil ich dort war.
Hörst du das Meer in mir,
ruhelos?
Oder die Stimme aus Nichts, die dein Wahnsinn war?
Liebe, ein Schatten.
Wie du liegst und ihr nachweinst.
Hör nur: das sind die Hufe: sie ist fort, ein Pferd.
Ich werd die ganze Nacht so galoppieren, schneller, schneller,
bis dein Kopf ein Stein ist, dein Kissen ein Stück Torf,
tönend, tönend.
Oder soll ich dir den Klang der Gifte bieten?
Das jetzt ist Regen, die weite Ruhe.
Und das seine Frucht: zinnweiß wie Arsen.
Ich habe jede Qual des Sonnenuntergangs ertragen.
Verdorrt bis zur Wurzel
brennen meine roten Fasern; sie stehn: eine Handvoll Draht.
Ich breche in Stücke, die mich umfliegen wie Keulen.
Ein Wind von solcher Wucht
wird kein Herumstehn dulden: ich muss kreischen.
Auch Luna ist gnadenlos: die Unfruchtbare
will mich grausam schleifen.
Ihr Strahlen vernarbt mich. Vielleicht hab ich sie ergriffen.
Ich lass sie gehn. Ich lass sie gehn,
vermindert, flach, nach radikaler Chirurgie.
Wie deine bösen Träume mich beherrschen, kleiden.
Ich bin bewohnt von einem Schrei.
Nachts flattert er aus
und sucht mit Haken nach etwas zum Lieben.
Mich schreckt dieses dunkle Ding,
das in mir schläft;
tagsüber fühl ich sein weiches, gefiedertes Drehen, die Bösartigkeit.
Wolken ziehen, zerstieben.
Sind das die Gesichter der Liebe, so bleiche
Unwiederbringlichkeiten? Schlägt dafür mein Herz?
Ich fasse nicht mehr.
Was ist das, was für ein Antlitz,
so tödlich erstickend zwischen den Zweigen?
Dessen Schlangensäuren zischen
und den Willen lähmen. Es ist der abgetrennte, lahme Mangel,
der tötet, tötet, tötet.
Sylvia Plath

1 Kommentar:

Anna-Marie hat gesagt…

Echt schöner Blog =) gefällt mir ♥ Kannst ja mal bei mir vorbei schauen :)
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